Weniger als 3.000 Einwohner*innen hat Pont-Aven an der Südküste der Bretagne – aber mit dem Musée de Pont-Aven ein Museum von Weltruhm, das gerne mal als “kleiner Bruder des Musée d’Orsay” bezeichnet wird.
Nachdem in den 1860ern die Zugstrecke von Paris in die Bretagne fertiggestellt wurde, entdeckten in den folgenden Jahren zunächst vor allem britische und amerikanische Künstler*innen den kleinen Ort und die Landschaft der Bretagne.
Zu dieser Zeit – in den 1860ern begann die Blütezeit des Impressionismus – bildeten Künstler*innen immer häufiger das ursprüngliche Landleben ab: Fischer oder Bäuerinnen bei der Arbeit, dörfliche Landschaften, das raue Meer. In Pont-Aven entwickelte sich eine Künstlerkolonie.
Schon bald bekam die Kolonie prominenten Zuwachs: Ab 1886 hielt sich Paul Gauguin (1848-1903) immer wieder in Pont-Aven auf. Gemeinsam mit anderen Künstler*innen wollte er den Impressionismus überwinden und setzte dabei gezielt auf ausdrucksstarke Farben. Die Gruppe wurde als “Schule von Pont-Aven” bekannt und prägte auch nachfolgende Strömungen wie den Expressionismus, die abstrakte Malerei oder den Kubismus.
Im Herbst 1888 lebte und arbeitete Paul Gauguin zwei Monate lang mit Vincent van Gogh in Arles an der französischen Mittelmeerküste – hier verlor Vincent van Gogh unter nicht ganz geklärten Umständen einen Teil seines Ohres. 1891 zog Paul Gauguin in die Südsee: zunächst nach Tahiti, später auf die polynesische Insel Hiva Oa.
Die “Schule von Pont-Aven” blieb bis etwa 1896 bestehen.
1985 wurde das Musée des Beaux Arts de Pont-Aven, kurz: Musée de Pont-Aven, im früheren “Hotel Julia” eingerichtet. Das Hotel war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Gästehaus bei den Künstler*innen, die nach Pont-Aven kamen. Im neueren Anbau gibt’s wechselnde Ausstellungen, die oft in Kooperation mit dem Musée d’Orsay in Paris entstehen. Der historische Gebäudeteil zeigt eine Rekonstruktion von Pont-Aven im 19. Jahrhundert sowie Werke der “Schule von Pont-Aven”. Darunter sind neben Gemälden von Paul Gauguin auch Werke von Émile Bernard, Maurice Denis, Marie Luplau, Émile Jourdan, Henry Moret oder Paul Sérusier.
Infos zum Musée de Pont-Aven: Place Julia, 29930 Pont-Aven, Frankreich. museepontaven.fr
Wie Paul Gauguin in der Bretagne zu seinen Farben kam und welche Motive Pablo Picasso hier später inspirierten: Das erzählen Kathrin Sander und Inka Schmeling wie immer in unter 10 Minuten in einer eigenen Episode des plazy-Podcasts ‘places to go’ – überall zu hören, wo es Podcasts gibt, oder gleich hier: