Wenn du Lust auf viel Natur, gleichzeitig aber auch auf Industriegeschichte und auf eine spannende Kreativszene hast, dann ist die brandenburgische Stadt Wittenberge genau der richtige ‘place to go’ für dich.
Lange bekannt als “Stadt der Nähmaschinen” ist Wittenberge heute vor allem eine Stadt des Wandels: Seit einigen Jahren zieht sie bewusst Kreative aus den Großstädten an und nutzt ihre historischen Industriebauten für neue Ideen.
Lage: etwa mittig auf der ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin – und damit sehr gut auch mit dem Zug zu erreichen. Eine andere schöne Option ist die Anfahrt mit dem Fahrrad: Wittenberge liegt direkt am Elberadweg.
Als Industriestadt (v.a. für die Herstellung von Nähmaschinen, aber auch von Seife, Zellstoff oder Zellwolle) boomte Wittenberge lange: In den 1970ern lebten hier mehr als 33.000 Menschen. Nach der Wende wurden viele Fabriken geschlossen, Arbeitsplätze fielen weg – und die Zahl an Einwohner*innen halbierte sich. Bis Wittenberge sich vor einigen Jahren neu erfand ...
Schöne Aussichten für 2027: Vom 21. April bis zum 24. Oktober richtet Wittenberge die Landesgartenschau aus. Mehr Infos gibt's unter laga-wittenberge.de.
Das höchste Gebäude von Wittenberge, der Singer-Uhrenturm, ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Das Gebäude selbst ist ganz schön imposant: Mit knapp 50 Metern Höhe ist er der größte freistehende Uhrturm auf dem europäischen Festland. Mehr Infos: reiseland-brandenburg.de
Außerdem steht der Uhrenturm symbolisch für drei wichtige Epochen in Wittenberges Geschichte:
Boomtown der Jahrhundertwende: Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete die amerikanische Singer Manufacturing Company ihr erstes Nähmaschinenwerk auf dem europäischen Festland – und zwar in Wittenberge. Was für die Stadt sprach: viel Platz, die strategisch gute Lage am Bahnknotenpunkt Berlin - Hamburg - Magdeburg und an der Elbe, sowie eine große Zahl an Arbeitskräften in der ländlichen Region, der Prignitz und der Altmark. 1904 ging die erste Singer-Nähmaschine made in Wittenberge vom Band. Das Fabrikgelände wurde stetig vergrößert, 1929 kam der Uhrenturm hinzu: als Wasserspeicher für Trink- und Löschwasser für die Fabrik und als Treppenhaus für eine weitere Vergrößerung des Werks, zu der es jedoch nie kam.
Niedergang nach der Wende: 1955 übernahm der Nähmaschinen-Fabrikant Veritas das Gelände und die Produktion; 1992 musste das Werk geschlossen werden. Seitdem wurden viele Gebäude zwar zum Gewerbehof “Veritas Park” umfunktioniert, Teile liegen jedoch seit Jahren brach. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern …
Neustart in den 2020ern: Wittenberge erfindet sich gerade in vielerlei Hinsicht neu, ein wichtiger Treiber ist die Landesgartenschau 2027. Bis dahin sollen im Veritas Park ein Singer-Hotel in Haus 13 mit besonders großzügigen Zimmern entstehen sowie Flächen für Startups und Coworking (insgesamt 19.000 Quadratmeter).
Auf sechs Etagen gibt’s eine Ausstellung über die Geschichte des Turmes, des Werksgeländes und der Industriestadt – und nach 192 Stufen von oben einen weiten Blick über Wittenberge und das Biosphärenreservat Elbtalaue.
Öffnungszeiten: von Ostern bis Ende Oktober immer dienstags bis samstags 11 - 16 Uhr (letzter Einlass: 15 Uhr). Bad Wilsnacker Straße 48 (Tor 2), 19322 Wittenberge.
Nach der Wende hat Wittenberge sich selbst einen Neustart verschrieben. Eines von mehreren Projekten dazu war der "Summer of pioneers": 2019 lud die Stadt Kreative aus ganz Deutschland ein, für ein paar Monate in Wittenberge zu leben und zu arbeiten. Mit Erfolg – von 27 ‘pioneers’ blieben 15 dauerhaft in der Stadt. Aus dem "Summer of pioneers’"entwickelten sich u.a. diese beiden Initiativen, die bis heute Wittenberges Macher*innen & Kreative vernetzen:
Der Stadtsalon Safari am Bismarckplatz mit einem bunten Programm aus Konzerten, Lesungen, Spieleabenden, Diskussionen etc. Bismarckplatz 6, 19322 Wittenberg. stadtsalon-safari.de
Die Elblandwerker helfen Newcomern dabei, sich in Wittenberge und der Prignitz anzusiedeln und miteinander zu vernetzen. Interessierte können auch auf Probe eine der Community-Wohnungen mieten und im Coworking-Space arbeiten. elblandwerker.de
Ein charmantes Entrée in die Stadt ist die Bahnstraße mit Jugendstil- und Gründerzeitbauten, die vom Bahnhof zum Zentrum führt. Hier gibt’s auch richtig guten, frisch gerösteten Kaffee: Tee- und Kaffeehaus, Bahnstraße 87, 19322 Wittenberge. wittenberge.cafe
Elbpromenade & Hafen: Die Lage an der Elbe war ein wesentlicher Standortvorteil für Wittenberges Aufschwung zur Industriestadt – davon zeugen heute noch Kranhaus & Elbspeicher an der Elbpromenade. In der Häuserzeile Elbstraße 8-11 kannst du zum Essen oder auf einen Kaffee einkehren.
Die Ausstellungen im Stadtmuseum “Alte Burg” zeigen Wittenberges Geschichte als Industriestadt – und legen dabei einen besonderen Fokus auf soziale Themen. Sehenswert ist auch das Gebäude selbst: Nach dem Steintor ist der Fachwerkbau Wittenberges zweitältestes Gebäude (errichtet Mitte des 17. Jahrhunderts). Ganzjährig geöffnet: Montags, Donnerstags, Freitags & Sonntags 11-16 Uhr (letzter Einlass: 15 Uhr). Putlitzstr. 2, 19322 Wittenberge. Mehr Infos: reiseland-brandenburg.de
Architektur der Moderne: Jahre vor dem Bauhaus konzipierte Walter Gropius 1914 die Arbeitersiedlung “Eigene Scholle” rund um den Kastanienplatz. Sehenswert ist auch aus dieser Zeit der Tivoli-Block zwischen der Bad Wilsnacker Straße und der Tivolistraße.
Ins umliegende UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe gelangst du gut zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Elberadweg. Mehr Infos über die Region: flusslandschaft-elbe.de
Und noch ein paar charmante Cafés an der Elbe: Anker-Café (Elbstraße 11, 19322 Wittenberge), Café Anton (Hafenstraße 8, 19322 Wittenberge. cafeanton.de) und Café Zur Möwe (Elbstraße 22B, 19322 Wittenberge. pension-zur-moewe.de/bistro)
Nicht nur gut schlafen, sondern auch entspannen oder tauchen und klettern kannst du im Elbe Resort Alte Ölmühle: Zum Boutiquehotel gehören ein Spa mit sieben Saunen, Salzgrotte und Massage und Kosmetik sowie ein Indoor-Tauch- und ein Kletterturm. Bad Wilsnacker Straße 52, 19322 Wittenberge. Mehr Infos: reiseland-brandenburg.de
Mehr Tipps zu Wittenberge findest du auch auf dem Portal Reiseland Brandenburg und weitere Informationen über die gesamte Region gibt's auf dieprignitz.de.
Noch mehr über Wittenberges Geschichte, Gegenwart und Zukunft gibt’s im plazy-Podcast 'places to go'. Darin lassen wir uns von einem Pionier erzählen, wie er im ‘summer of pioneers’ in die Stadt kam – und warum er geblieben ist. In Brandenburg stellen wir dir außerdem noch die beiden Städte Eberswalde und Brandenburg an der Havel vor. Die Folgen kannst du überall hören, wo es Podcasts gibt, und die Wittenberge-Episode gibt’s auch gleich hier: